In der Vergangenheit haben wir uns dem „Rassen-Thema“ auf vielfältige Weise genähert. Wir haben uns dem unmittelbaren Zusammenhang von Rasse und Volk gewidmet, haben auf die bösartigen Verdrehungen und Missverständnisse von vor allem konfessionellen Kreisen geantwortet und den australischen Politologen und Ethnologen, Dr. Frank Salter, zu Wort kommen lassen. Über die Manipulation des Themas mittels Lüge und Fälschung berichteten wir außerdem hier.
Mit diesem Beitrag wollen wir uns dem Thema einmal anders nähern und darauf hinweisen, dass es selbst im Antifaschisten-Milieu vor wenigen Jahrzehnten noch völlig klar war, das es Rassen und somit Völker als Lebenswirklichkeit gibt.
Der Begriff „Rassismus“ ist erst relativ spät in der deutschen Forschung angekommen. Es war der Jude Friedrich Hertz der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinem Buch über „Rasse und Kultur“, die „Rassentheorien“ scharf kritisiert hatte und von „Rassenhass“ sprach. Wenig überraschend wird und wurde „Rassismus“ vor allem auf das Volk der Juden projiziert. Unter den Historikern hat vor allem der in Berlin geborene und 1933 in die USA ausgewanderte George L. Mosse explizit mit dem Begriff Rassismus gearbeitet. Er betrachtete Antisemitismus und Rassismus als zusammenhängende Gegenstände. Allerdings definiert er Rassismus in erster Linie als Ideologie.
„Der Rassismus war eine auf Klischees oder Stereotypen basierende visuelle Ideologie.“ (George L. Mosse: „Die Geschichte des Rassismus in Europa“; Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1993; S. 9.)
Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges hatte der Sexualjude Magnus Hirschfeld ein Buch mit dem Titel „Racism“ geschrieben. Am Ende empfiehlt Hirschfeld die Gründung einer „League for the Prevention of Racism“. Man darf mit Fug und Recht die berüchtigte UNESCO-Expertenkommission, die sich 1950 in ihrem „Statement on Race“ vom Begriff der „Rasse“ verabschiedete, durchaus als Realisierung dieser Idee begreifen. Es war der Jude Ashley Montagu, der spätere Leiter der UNESCO-Kommission, der 1942 eine „Untersuchung“ vorgelegt hatte, in dessen Titel „Rasse“ als „Man’s Most Dangerous Myth“ bezeichnet wurde.
Trotz solcher Propaganda war es aber Ende der achtziger Jahre noch ganz selbstverständlich, dass in Reden und Büchern das Wort „Rasse“ für die Einteilung von Menschen verwendet wurde. Die Selbstverständlichkeit des Rassebegriffes erwies sich dann besonders deutlich ausgerechnet in den Debatten der deutschen Linken über Rassismus in den frühen neunziger Jahren. Auf dem Kongress „Rassismus und Migration in Europa“, den das antifaschistische, von Nora Räthzel mitbegründete Hamburger „Institut für Migrations-und Rassismusforschung“ organisierte, hielt „Argument“-Herausgeber Wolfgang Fritz Haug einen Vortrag, der sich gegen die „Über-Negation“ des Rassebegriffes richtete. Zwar bestritt Haug die Wissenschaftlichkeit des Begriffes „Rasse“, doch gleichzeitig erschien ihm eine antirassistische Austreibung des Begriffes als kontraproduktiv:
„Verleugnung, Über-Negation von Andersheit, in Gestalt der Diskurstaktik ,Es gibt keine Rassen‘, kommt ungewollt der Dissimulation des Rassismus […] entgegen. Der freie Blick auf die Unterschiede, auch die angeborenen des Körpers, scheint unerläßlich, um der Scheinheiligkeit des offiziösen Rassismus Paroli zu bieten.“ (Wolfgang Fritz Haug: „Zur Dialektik des Anti-Rasismus. Erkundungen auf einem Feld voller Fallstricke“ in „Migration und Rassismus in Europa“, Institut für Migrations- und Rassismusforschung (Hrsg.); Argument-Verlag, Hamburg 1992; S. 411f.)
Noch weiter als Haug ging zwei Jahre später Christoph Türcke in einem Referat über „Die Inflation des Rassismus“ auf einem Kongress des linken Traditionsblattes „Konkret“.
Türcke betonte, dass „Menschenrassen“ keine Erfindung des Rassismus seien, sondern „ein Produkt der Naturgeschichte“.
„Dass Pygmäen, Mongolen, Eskimos, Araber, Skandinavier in Wuchs, Gestalt, Farbe, Sprache und Sitten deutlich voneinander abweichen, ist keine Erfindung ressentimentgeladener Mitteleuropäer, sondern simple Tatsache. Es gibt nun einmal Menschengruppen schwarzer, weißer, gelber oder rötlicher Hautfarbe, die sich durch die Gemeinsamkeit erblicher Merkmale signifikant von andern unterscheiden, und so unmöglich es ist, genau anzugeben, wie weit dieser Merkmalsunterschied sich über die Hautfarbe hinaus auf Temperament, Neigung, Begabung, Charakter erstreckt, so absurd wäre es, ihn zu leugnen, und so zu tun, als bedeute der Unterschied zwischen schwarzer und weißer Haut nicht mehr als der zwischen einem roten und grünen Anorak.“ (Christoph Türcke: „Die Inflation des Rassismus“ in „Konkret“, Heft 8/1993; S. 36.)
Auch Detlev Claussen, der sich in der Tradition der kritischen Theorie der Frankfurter Schule verortet, beklagte 1994 im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Was heißt Rassismus?“ eine „Inflationierung“ der Bezeichnung. Sein erklärter Feind ist eine „antirassistische Ideologie“.
„Antirassismus kann man als Kümmerform von Gesellschaftskritik bezeichnen.“ (Detlev Claussen: „Was heißt Rassismus? Ein Essay.“; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994; S. 15.)
Der Begriff Rassismus ist seit dem Erscheinen eines Buches von Anita Kalpaka und Nora Räthzel, welches den Titel „Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein“ trägt und das aus einem Text der Autorinnen („Wirkungsweisen von Rassismus und Ethnozentrismus“) besteht und einem des jüdischen „Cultural-Studies-Forschers“ Phil Cohen über die Entstehung einer „multirassistischen Kultur“ in Britannien, fester Bestandteil der Zersetzungsarbeit von Antifaschisten. Bald nach dem Erscheinen des Buches im Jahr 1990 fand an der Universität Tübingen eine Veranstaltungsreihe statt, die ebenfalls „Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein“ hieß und deren Referate später in dem Sammelband „Theorien über Rassismus“ abgedruckt wurden. 1990 fand schließlich der Kongress „Rassismus und Migration in Europa“ in Hamburg statt. Im gleichen Jahr erschien auch eine erste Pseudo-Untersuchung, die Rassismus theoretisch als Begriff zugrunde legte. Die Rede ist von Rudolf Leiprechts Interviews zur „subjektiven Funktionalität von Rassismus und Ethnozentrismus bei abhängig beschäftigten Jugendlichen“ (1990). Darüber hinaus wurde der Begriff von Autoren im Umfeld des Duisburger „Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS)“ verwendet.
Vor 30 Jahren also brachen die Dämme. Der Massenansturm der Fremden im Jahr 2015 holte viele wieder zurück auf den Boden der Lebenswirklichkeit.
„Niemand darf das Rassenprinzip, die Rassenfrage, gleichgültig behandeln. Sie ist der Schlüssel zur Weltgeschichte. Und nur deshalb ist die Geschichte häufig so sehr konfus, weil sie von Leuten geschrieben worden ist, die die Rassenfrage nicht kannten, und ebensowenig die dazugehörenden Momente.“ (Benjamin Disraeli: „Endymion“; Ausgabe B. Tauchnitz, Leipzig 1880; S. 18.)


